Archive for Januar, 2007

In Würenlos AG demonstrierten am Sonntag über 4’000 Personen – das sind doppelt so viel wie erwartet wurden.

Würenloser Sportvereine und die angereiste Unterstützung gaben ihrem Aerger mit Trillerpfeifen und lauter Guggenmusik Ausdruck. Diese Demonstration richtete sich gegen den Entscheid des Aargauer Verwaltungsgerichts.

Das Aargauer Verwaltungsgericht hatte Beschwerden die drei Familien im Sommer 2006 eingebracht haben, teilweise gutgeheissen. Die Anlage darf gemäss Urteil an Abenden nur noch eingeschränkt und an Sonn- und Feiertagen überhaupt nicht mehr benutzt werden und muss nun durch das Bundesgericht beurteilt werden.
Fussballklubpräsident Jürg Frei hat kein Verständnis für die Einsprachen von Anwohnern. Er stellt fest dass in der Tat die Kirchenglocken die lauteste Lärmquelle in Würenlos darstellen!

Kirchenglocken in Würenlos sind lauter als Sportplatz-Lärm sagt Jürg Frei.

 
Frei führte aus, dass er nicht verstehen könne warum sich Leute im Falle des Sportplatzes gestört fühlen:

"Der Sportplatz ist meistens grün und ruhig. Wenn mal was zu hören ist, sind es Kinder oder Sporttreibende. Das ist etwas anderes als Lärm von Industrie oder Verkehr. Messungen beim Platz haben zudem gezeigt: am lautesten sind die Kirchenglocken. Kommt dazu, dass die Einsprecher von der Zone für öffentliche Bauten gewusst haben, als sie hergezogen sind."

Das Kirchenglocken häufig mehr Lärm als alle anderen Lärmquellen verursachen verwundert nicht. So erreichen zum Beispiel Kirchenglocken am Sonntag vor der Kirche wenn der Gottesdienst mit allen Glocken eingeläutet wird, unvorstellbar hohe Lärmwerte von bis zu 120 Dezibel – das entspricht einem Lärmpegel der beim Probelauf von Düsenflugzeugen erzeugt wird! (Aus: Neue Lärmtabelle der IG Stiller)

Der Gemeinderat von Würenlos misst dem Urteil Beispiel-Charakter zu. Es wird befürchtet dass eine Bestätigung des Verwaltungsgerichts-Urteils auch in anderen Gemeinden den Sportbetrieb im Wohngebiet einschränken wird.

Warum nicht endlich den Mut haben die wirklichen Lärmverursacher in die Verantwortung zu nehmen?

Priester muss Kirchenglocken ertragen Jahrzehntelang stand er im Dienste des Herrn – doch zu seinem Lebensabend mag ein französischer Priester keine Kirchenglocken mehr hören. Seine Klage gegen das Glockengeläut in einem burgundischen Dorf scheiterte.

Dijon – Der Ex-Geistliche Alain Ponsar hatte vor dem Verwaltungsgericht Dijon keinen Erfolg mit dem Versuch, die Glocken eines burgundischen Dorfes zum Schweigen zubringen, in dem er seinen Ruhestand verbringt. Das Geläut sei nicht so laut und es erfolge auch nicht derart häufig, dass es die öffentliche Ruhe stören könne, urteilte das Gericht. Zudem hingen die Dorfbewohner sehr am Klang der Glocken.

Ponsar hatte als Geistlicher in Paris gewirkt. Vor zwei Jahrzehnten kaufte er im 800-Seelen-Dorf Clessé bei Mâcon das Pfarrhaus – unmittelbar neben der romanischen Kirche aus dem elften Jahrhundert. Dort verbringt er inzwischen seinen Ruhestand. Der wird ihm allerdings durch das ständige Gebimmel vergällt: Vergeblich verlangte der Priester zunächst vom Bürgermeister, das Geläut zwischen 22 Uhr und sieben Uhr morgens, das stündliche Läuten und den Angelus um 11:30 Uhr zu untersagen. Schließlich forderte er 60.000 Euro Schadenersatz. Die Gemeinde stufte das Glockenläuten aber als wichtig für das Dorfleben ein und startete eine Petition für seinen Erhalt.

Quelle: Tagesspiegel.de


Das Gericht befand also dass das Geläut nicht so laut sei und nicht derartig häufig erfolge dass es die öffentliche Ruhe stören könne. Zudem behauptet es, die Dorfbewohner hingen sehr am Klang der Glocken. Auf welcher Grundlage? Wurden alle Einwohnerinnen und Einwohner zum Lärm-Thema befragt? Wurden Dezibel-Messungen durchgeführt?

Selbst wenn sich in diesem burgundischen Dorf tatsächlich nur eine Minderheit durch den Glockenlärm belästigt fühlt gilt es zu bedenken was das Verwaltungsgericht Zürich zur Nachtruhe zu sagen hat:

Dem Schutz der Nachtruhe kommt eine so hohe Bedeutung zu, dass eine erhebliche Störung schon dann vorliegt, wenn sie nur wenige Menschen betrifft.

Und auch in Frankreich gilt was Dr. Hans Göschke (Aerzte für Umweltschutz) sagt:

Lärm bedeutete bei unseren Vorfahren ‘Gefahr’ und ist daher in unseren Genen als ALARM gespeichert. Deshalb ist aus medizinischer Sicht eine Gewöhnung an Lärm nicht möglich.

Quelle: IG Stiller; Zitate zu Lärm, Glockenlärm, Kirchenglocken und Gesundheit.

Viertelstündliches Glockengeläut: Muss es verteidigt werden?
Zu den zahllosen Bernerinnen und Bernern, die eher im Verborgenen wirken, aber dennoch etwas zur Welt beitragen, ohne welches selbige nicht selbige wäre, gehört Lizette Schmöhri Kunz, Gründungsmitglied und Ehrenpräsidentin des Fördervereins Dingdong, der sich zum Ziel gesetzt hat, das nächtliche viertelstündliche Glockengeläut zu verteidigen oder, wo es noch nicht oder nicht mehr der Brauch ist, zu propagieren.

Gibt nächtlicher Glockenlärm Halt und Trost?
Lizette stellt sich auf den Standpunkt, dass Kirchenglocken, die immer um Viertel nach sowieso «dingdong!», immer um halb sowieso «dingdong! – dingdong!», immer um Viertel vor sowieso «dingdong! – dingdong! – dingdong!» und immer zur vollen Stunde zum Beispiel «dingdong! – dingdong! – dingdong! – dingdong! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang!» (juhui, Mitternacht!) machen, etwas Tröstliches haben, wobei Lizettes Kontrahenten ihr insofern glauben folgen zu können, als sie sich vorstellen, dass Lizette halt vielleicht schlecht schläft und dann eben in der Vorstellung Halt und Trost findet, dass andere auch nicht gut schlafen, wenn es dauerdingdong! bimmelt, weil der Mensch, und das ist im Fall medizinisch erwiesen, allermindestens zwanzig Minuten benötigt, um so tief in den Schlaf zu sinken, dass er endlidingdong!dingdong!…

Gut schlafen und gleichzeitig Glocken hören?
wir hoffen nur, Sie verstehen, was wir meinen, Leserin, Leser, die Sie auch nicht in Lizettes Verein sind, item, wenn man dann Lizette aber fragt, ob sie schlecht schlafe, antwortet sie nein, nein!, üüüberhaupt nichdingdong!dingdong!dingdong!afe, im Gegenteil, wunderbar!, und wenn man sie dann weiter fragt, wozu sie dann dieses Gebimmele brauche, wo sie doch gut schlafe, weil wenn sie gut schlafe, höre sie es ja gar nicht läudindong!dingdong!dingdong!dingdong!orauf dann Lizette:

Ohne regelmässigen Lärm wachen Menschen auf?
aber wenn es nicht regelmässig DANG! DANG! DANG! wache sie prompt auf, worauf wir: warum sie dann nicht einfach bei sich daheim einen Wecker nebens Bett stelle, der alle Viertelstunde dingdong macht, während sie, Lizette, dann tagsüber mithelfe, gegen das Dauergebimmel von draussen Unterschriften zu sammeln, damit auch alle anderen, die das Läuten stört, so gut schlafen können wie sie, die darauf angewiesen et cetera, worauf aber, potz, Lizette entrüstet:

Haben die Glocken recht weil es sie schon länger gibt?
Die Kirchenglocken gebe es schon viiiel länger als die Nachbarn, ergo hätten die Glocken Recht, und die Nachbarn müssten umziehen, wenn es sie derenweg störe und so weidingdongdingdongdingdongder ähnliche Gedanken kann man problemlos bis frühmorgens um DANG! DANG! DANG! DANG! wälzen und aufschreiben wie hier, speziell wenn man in der Nähe der Berner Johanneskirche wohnt, und zwar näher als Lizette, item…

Die Glocke scheppert
wenn sie wenigstens einen warmen Ton hätte, also die Glocke, möchte man Lizette gern überzeugen, aber sie scheppert, also die Glocke, metallisch, und erinnert einen an die Hausglocke, so dass man alle Viertelstunde im Bett hochschiesst und denkt, oha, es hat geläutet, ich muss aufmachen, oder alternativ dazu: Auf! Tagwacht!, und zwar leider nicht die Zeitung selig, sondern das Militär.

Bald Einführung des Fünfminuten-Glockenlärm-Taktes?
Das musste jetzt einfach wieder einmal gesagt sein, statt immer nur wegen Kampfhunden und Kopftüchern und Herdfrauen!

(Fernziel des Vereins ist dann übrigens die Einführung des Fünfminutentakts.)

Gefunden auf Espace.ch (Text leicht abgeändert und mit Ueberschriften versehen)