Archive for August, 2008

Der Zürcher Betriebsökonom Stefan Mittl sammelt Kirchenglocken-Lärm in der ganzen Schweiz.
Jeden Samstagabend lauschen angeblich rund 80’000 Hörerinnen und Hörer auf dem Sender ‘Musigwälle’ von Schweizer Radio DRS, dem dort ausgestrahlten Kirchenglockengeläute einer weiteren Schweizer Kirche. Behauptet zumindest Radio DRS.

Ist das weil die Glockenklänge wirklich so beliebt sind, oder kommen diese Hörerzahlen dadurch zustande dass viele Menschen ihre Radios einfach den ganzen Abend lang angestellt lassen…?

Derlei Kirchenglocken-Lärm Aufnahmen sammelt der Zürcher Betriebsökonom Stefan Mittl zusammen mit zwei anderen Kirchenglockenexperten und reist dafür quer durch die ganze Schweiz:

Haben Neuzuzüger Recht auf Ruhe?
Das Glockenlärm-Problem in Balgrist/Zürich ist keineswegs gelöst! Wenn Neuzuzüger verlangten, Kirchenglocken dürften nicht mehr läuten, dann mache ihn das hässig, sagte MIttl am 6. August 2007 in einem Interview mit der NZZ. Neuzuzüger haben also kein Recht in Ruhe zu schlafen?

Kein einziges Geräusch darf den reinen Klang der Glocken stören?
Stefan Mittl hat mitunter keine Freude an Kindergelächter und Hundegebell  – diese stören ihn beim Aufnehmen des Glockenlärms…!

Warum schützt er sich selbst vor Glockenlärm?
Stefan Mittl hat sich sogar 3 Glocken selber giessen lassen und diese in seiner Garage installiert.
Mit diesen Glocken lärmt er zu unterschiedlichsten Anlässen: Zum Ausläuten und gleichzeitigem Einläuten der alten/neuen Woche oder gar wenn Roger Federer im Tennis ein Turnier gewinnt.

Interessantes Detail: Während dem Läuten in seiner Garage trägt er einen Gehörschutz…:

Stefan Mittl macht Lärm mit Kirchenglocken und trägt dabei einen Gehörschutz! Dumm nur dass sich zum Beispiel Babies nicht die Ohren zuhalten können, und somit Mittl's Lärm schutzlos ausgeliefert sind!

Kanton Schwyz schreibt über Kirchenglocken

Auf der Website des Kantons Schwyz steht folgendes über die Glocken:

Ist das Frühgeläut Lärm oder Tradition? Für viele Leute haben Kirchenglocken einen Wohlklang und ihr Geläut gehört zum festen Tagesablauf. Dagegen schätzen vor allem jene AnwohnerInnen das Frühgeläut nicht, welche bis spät abends arbeiten müssen.

Ähnlich wie bei Musik, hängt das Gefühl der Störung von der Tages- oder Nachtzeit zu welcher die Glocken erklingen und von der Nähe zur Lärmquelle ab.

Untersuchungen der SUVA (Schweizerische Unfallversicherungsanstalt) ergaben, dass von einem mittelhohen Kirchturm mit mittelgrossen Kirchenglocken in einer Entfernung von 50 Metern am Ohr der Betroffenen im Innern des Gebäudes (bei gekippten Fenstern) ein Schalldruckpegel von mehr als 60 Dezibel entsteht. Diese Lärmbelastung ist so hoch, dass in der Nacht mit Schlafstörungen zu rechnen ist.

Das Kirchenglockengeläut kann jedoch aufgrund der unterschiedlichen Interessen nicht einfach verboten werden. Zur Beurteilung, ob Kirchengeläut eine Lärmstörung ist, müssen auch die ortsüblichen Traditionen einbezogen werden. Mögliche Massnahmen bei einer unverhältnismässigen Lärmbelastung sind: Verschiebung des Morgengeläutes auf eine spätere Stunde oder Kürzung der Läutezeiten.

Glockenlärm kann wegen unterschiedlichen Interessen nicht verboten werden? Die einen wollen Glocken-Weckschläge während der Nacht, die anderen einfach schlafen. Diese verschiedenen Interessen werden dann also gegeneinander ausgespielt – die Nachtruhe geht dabei flöten!

Was ist mit der ältesten aller Traditionen, der Tradition der Nachtruhe?!

Kanton Schwyz über Kirchenglocken

GRAL (Grüne Appenzellerland) setzen sich für eine strikte Trennung von Kirche und Staat aus und bezeichnen Kirchenglocken als "politische Peinlichkeit".

GRAL - Grüne Appenzell für Trennung von Kirche und Staat. Gebet und Kirchenglocken.

 Leserbrief aus dem Tagblatt.ch:

«Gebet und Glockengeläut», 2.8.08

In der Nachlese «Gebet und Glockengeläut» wird der Anschein erweckt, dass alle Parteien die traditionelle Eröffnung des Ausserrhoder Kantonsrates mit zehn Minuten Kirchenglockengeläut und vaterländischem Gebet mittragen.

Eine Umfrage beim Grünen Appenzellerland (Gral) ergab: Dem ist nicht so. Zumindest diese Partei ist für eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Nichts gegen ein stilles, religionsneutrales Gebet. Wir sind durchaus für mehr Spiritualität in der Politik – wie schon unsere Abkürzung nahelegt. Hingegen wehren wir uns gegen fundamentalistisch-christliche Heuchelei in politischen Gremien.

Zudem ist das Gebet nicht im Sinne der Gleichstellung von Mann und Frau, da nur für das Vaterland gebetet wird. Die zehn Minuten Läuten mit Kirchenglocken sind entweder eine lächerliche Selbstbeweihräucherung oder eine simple Machtdemonstration. Auf jeden Fall ist dieses Läuten eine politische Peinlichkeit. Verantwortlich dafür ist die bei uns verbreitete Art des Traditionalismus, welche auch zur verspäteten Einführung des Frauenstimmrechts geführt hat.

Das häufige Läuten der Glocken ist tatsächlich zu einem grossen Teil nur eine Machtdemonstration der Kirchen. Zum erwähnten "Traditionalismus": Warum ist die Nachtruhe ohne Glockenlärm – so wie es früher üblich war – nicht Tradition? Und selbstverständlich müssen Kirche und Staat getrennt sein.