Viertelstündliches Glockengeläut: Muss es verteidigt werden?
Zu den zahllosen Bernerinnen und Bernern, die eher im Verborgenen wirken, aber dennoch etwas zur Welt beitragen, ohne welches selbige nicht selbige wäre, gehört Lizette Schmöhri Kunz, Gründungsmitglied und Ehrenpräsidentin des Fördervereins Dingdong, der sich zum Ziel gesetzt hat, das nächtliche viertelstündliche Glockengeläut zu verteidigen oder, wo es noch nicht oder nicht mehr der Brauch ist, zu propagieren.

Gibt nächtlicher Glockenlärm Halt und Trost?
Lizette stellt sich auf den Standpunkt, dass Kirchenglocken, die immer um Viertel nach sowieso «dingdong!», immer um halb sowieso «dingdong! – dingdong!», immer um Viertel vor sowieso «dingdong! – dingdong! – dingdong!» und immer zur vollen Stunde zum Beispiel «dingdong! – dingdong! – dingdong! – dingdong! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang! – dang!» (juhui, Mitternacht!) machen, etwas Tröstliches haben, wobei Lizettes Kontrahenten ihr insofern glauben folgen zu können, als sie sich vorstellen, dass Lizette halt vielleicht schlecht schläft und dann eben in der Vorstellung Halt und Trost findet, dass andere auch nicht gut schlafen, wenn es dauerdingdong! bimmelt, weil der Mensch, und das ist im Fall medizinisch erwiesen, allermindestens zwanzig Minuten benötigt, um so tief in den Schlaf zu sinken, dass er endlidingdong!dingdong!…

Gut schlafen und gleichzeitig Glocken hören?
wir hoffen nur, Sie verstehen, was wir meinen, Leserin, Leser, die Sie auch nicht in Lizettes Verein sind, item, wenn man dann Lizette aber fragt, ob sie schlecht schlafe, antwortet sie nein, nein!, üüüberhaupt nichdingdong!dingdong!dingdong!afe, im Gegenteil, wunderbar!, und wenn man sie dann weiter fragt, wozu sie dann dieses Gebimmele brauche, wo sie doch gut schlafe, weil wenn sie gut schlafe, höre sie es ja gar nicht läudindong!dingdong!dingdong!dingdong!orauf dann Lizette:

Ohne regelmässigen Lärm wachen Menschen auf?
aber wenn es nicht regelmässig DANG! DANG! DANG! wache sie prompt auf, worauf wir: warum sie dann nicht einfach bei sich daheim einen Wecker nebens Bett stelle, der alle Viertelstunde dingdong macht, während sie, Lizette, dann tagsüber mithelfe, gegen das Dauergebimmel von draussen Unterschriften zu sammeln, damit auch alle anderen, die das Läuten stört, so gut schlafen können wie sie, die darauf angewiesen et cetera, worauf aber, potz, Lizette entrüstet:

Haben die Glocken recht weil es sie schon länger gibt?
Die Kirchenglocken gebe es schon viiiel länger als die Nachbarn, ergo hätten die Glocken Recht, und die Nachbarn müssten umziehen, wenn es sie derenweg störe und so weidingdongdingdongdingdongder ähnliche Gedanken kann man problemlos bis frühmorgens um DANG! DANG! DANG! DANG! wälzen und aufschreiben wie hier, speziell wenn man in der Nähe der Berner Johanneskirche wohnt, und zwar näher als Lizette, item…

Die Glocke scheppert
wenn sie wenigstens einen warmen Ton hätte, also die Glocke, möchte man Lizette gern überzeugen, aber sie scheppert, also die Glocke, metallisch, und erinnert einen an die Hausglocke, so dass man alle Viertelstunde im Bett hochschiesst und denkt, oha, es hat geläutet, ich muss aufmachen, oder alternativ dazu: Auf! Tagwacht!, und zwar leider nicht die Zeitung selig, sondern das Militär.

Bald Einführung des Fünfminuten-Glockenlärm-Taktes?
Das musste jetzt einfach wieder einmal gesagt sein, statt immer nur wegen Kampfhunden und Kopftüchern und Herdfrauen!

(Fernziel des Vereins ist dann übrigens die Einführung des Fünfminutentakts.)

Gefunden auf Espace.ch (Text leicht abgeändert und mit Ueberschriften versehen)

 

  1. Heizer says:

    Die Taufe und der Glockenturm

    Die Methode ist so einfach wie sie alt ist:

    Die Taufe:
    Einem Säugling gießt man Wasser über den Kopf. Das schockartige Unbehagen durch das kalte Wasser, die Trennung von der Mutter durch den Taufpaten und die ungewohnte Umgebung gibt dem Kleinkind das Gefühl von Hilflosigkeit. Dieses Empfinden verbindet sich unzertrennlich mit der Akustik des Glockengeläutes zu einem psychologischen Bild. Dieses Bild setzt sich in das unbewusste Denken fest.

    Der Glockenturm:
    Später im Leben: Jeder Glockenton aktiviert im Bewusstsein (je nach Sensibilität mehr oder weniger) das Unbehagen, dieses Ausgeliefertsein, die Hilflosigkeit, die man damals bei der Taufe empfunden hat.

    Flächendeckendes Glockengeläute von den Kirchtürmen rund um die Uhr war viele Jahrhunderte lang die Garantie für eine lebenslange, unbewusste Hilflosigkeit des Getauften gegenüber den Machenschaften des Katholizismus.
    Quelle: http://www.scheiterhaufen.tv

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