(Aus dem Tages-Anzeiger vom Freitag, 8. Juni 2007)

Die Baurekurskommission vom Kanton Zürich hat kürzlich den Rekurs von zwei Gossauern abgelehnt. Die zwei Bürger haben den Gemeinderat und die Kirchenpflege aufgefordert, den Zeitschlag durch Kirchenglocken während der Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr einzustellen.

Die Baurekurskommission räumt ein:

Lauter Fluglärm wird allgemein als störend empfunden, aber ebenso ein tropfender Wasserhahn, dessen Pegel akustisch kaum messbar ist.

Trotz dieser weisen Erkenntnis behauptet die Kommission dass der messbare Pegel von Kirchenglocken nicht mit Lärm gleichzusetzen sei – dieser sei vielmehr nur ein "psychologisches Konstrukt".

Der kaum messbare Geräuschpegel von einem tropfenden Wasserhahn kann also als ebenso störend empfunden werden wie z.B. Fluglärm; der unendlich lautere Lärm von Kirchenglocken soll aber nur ein "psychologisches Konstrukt" sein?!

Weiter schreibt die Rekurskommission:

Der Glockenschlag lässt sich nicht mit denselben Dezibel-Werten berurteilen wie der Fluglärm. Das wäre gefährlich und würde höchstens eine scheinbare, trügerische Objektivität schaffen.

Diese subjektive Einschätzung der Kommission ist eine trügerische Scheinlösung. Glockenlärm darf in der Tat nicht mit Fluglärm verglichen werden – die spezielle Impulshaltigkeit und die Lärmfrequenz von Kirchenglocken verunmöglichen jeden objektiven Vergleich!

(www.kirchenglocken.ch)

 

  1. livingzurich says:

    Es ist einfach lächerlich, unglaublich aber auch traurig. Die Ignoranz gemischt mit Agoranz macht mich total muffig. Hat jemand schon einmal eine Lärmklage in Zürich eingereicht wegen Glockenlärm? Kann man damit Erfolg haben oder ist das Aussichtlos. Habe die Kirchgemeinde schon mal angeschrieben. Die haben mit anschliessend allen Ernstes an einen Tag der offenen Tür einladen wollen. “Für viele Leute ist das Glockengeläut” offensichtlich ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens, schreiben die mir.

  2. christian frei says:

    Das Verwaltungsgericht ZH hat vor 2 Jahren Grenzwerte gesetzt, die von der Gemeinde Gossau ZH und auch von der Baurekurs-kommission ZH ignoriert wurden, um eine Rechtsverzögerung zu erreichen und mich und die Lärm-Betroffenen wieder zu einer Beschwerde, bzw. Rekurs zu zwingen.

    Die Gerichte, das Amt für Lärmschutz und die EMPA s ignorieren, dass der Schlaf bereits ab 35dB gestört wird. Die WHO setzt den Grenzwert bei 45dB bei einer schlafenden Person und dies bei gekipptem Fenster. Das heisst die Messwerte an der Hausfront sollte 60dB nicht übersteigen. In Gossau messen wir 66-78dB gemäss EMPA. Zudem müsste noch wegen hoher Impulshaltigkeit ein Zusschlag von 6-10dB gemacht werden.

    Der Zeitschlag tagsüber und nachts wurde bei einer Befragung im Quartier Balgrist von 50% der befragten Anwohner/innen als störend empfunden. Man forderte die evang. Kirche vergebens auf, diesen einzustellen. Diese vorsätzliche Ruhestörung grenzt an eine unsichtbare Folter. Schlafentzug ist nicht nur seit dem Irakkrieg als Folter bekannt.

    In Gossau antwortete der Geminderat auf die Frage: Ist der veraltete Zeitschlag wichtiger als die Gesundheit der Bürger/innen? mit einem JA! Nicht nur die Gemeinde sondern auch unsere Bundesrichter sind der gleichen Meinung. Ein Skandal!

    Die Zeit muss nicht geschlagen werden. Und wer dies dennoch wünscht, soll sich doch eine Standuhr kaufen und diese ins Schkafzimmer stellen. Doch bitte verschont uns mit der SPAM-Glockenwerbung.

    Christian Frei, Gossau ZH

  3. Malone says:

    Kann man in der Schweiz zu so einem Thema nicht ein Volksbegehren einleiten?

  4. F aus W says:

    Umkehrschlüsse sind der Unlogischen Stolperstein:
    INPUT: Die Aussage “Auch Leises kann stören.”
    Dazwischen: individuelle Denkmuster, Scheinlogik, Alltagsvernunft und die Macht des Unbewussten…
    OUTPUT: Darauf gestützt der tragische Umkehrschluss der Kommission: “Lautes muss nicht stören.”

  5. F aus W says:

    Umkehrschlüsse – Teil II
    INPUT: “15% stören sich am Glockenschlag”
    Dazwischen: individuelle Denkmuster, Scheinlogik, Alltagsvernunft und die Macht des Unbewussten…
    OUTPUT: “85% wollen den Glockenschlag.”

  6. Konrad Moser says:

    Wenn Christian Frei direkt neben eine Kirche zieht und dann dagegen opponiert, dass dort seit Jahrhunderten die Stunden geschlagen werden, kann ich das nicht nachvollziehen.

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