Thomas Häntsch vom Humanistischen Pressedienst schreibt folgendes:

…Doch dieser stille Sonntag war nicht leiser als jeder andere im Jahr mit Ausnahme der kurzen vorösterlichen Zeit, denn Kirchenglocken waren in voller Dröhnung weithin zu hören und störten die Mitbürger, die in der Nähe einer der zahlreichen Türme wohnen, wie gewöhnlich.

Kommt da nicht die Frage auf, warum all dieser Spektakel – und für wen eigentlich? Für wen? Das ist schnell geklärt, denn geläutet wird für die gläubigen Christen, die ihren Glauben leben und am Geschehen in den Gemeinden Anteil nehmen. Das sind in der heutigen Zeit unter den Katholiken recht wenige und in den evangelischen Gemeinden nicht viele. Gleichwohl, es wird gebimmelt, dass die Schwarte kracht.
Aber warum also tönen mehrfach am Tage die Glocken?

Zunächst hört man sie etwas zurückhaltend, wenn sie uns die Zeit ankündigen – unbeirrt, als hätte kein Mensch eine Uhr oder könne so einen Zeitmesser nicht lesen. Das lassen sie auch in der Nacht nicht, wenn die meisten Menschen schlafen und auch die zur Ruhe kommen wollen, deren Gehör sehr empfindsam ist, so dass sie jede Stunde mitzählen können, die ihnen der nächststehende Kirchturm verkündet. Dagegen wird inzwischen angekämpft und das teilweise mit Erfolg für die Kläger – gegen das Läuten.

Das Läuten aus religiösen Beweggründen wird zurzeit immer noch vom Recht gedeckt, man beruft sich dabei häufig auf das Brauchtum. Doch die meisten Mitbürger erahnen nicht einmal, warum mehrmals am Tage die Kirchenglocken läuten und noch spärlicher ist das Wissen um die Geschichte des Glockenläutens überhaupt. Früher war das Schlagen von Glocken als heidnischer Brauch verpönt, doch später als christlicher Brauch übernommen. Deshalb wird es Zeit, einige Aspekte des uns umgebenden Geläutes an die große Glocke zu hängen…

Jeder wird schon bemerkt haben, dass immer 12:00 Uhr mittags die katholisch geweihten Glocken läuten. Dieses Läuten wird, fragt man Christen, vielfach damit begründet, dass es den Tag teilt. Doch weit gefehlt! Dieses Läuten ist ein Siegesläuten. Gefeiert wird ein Sieg der Christen über die Moslems. Papst Calixtus III. führte am 14. Juli 1456 diesen Brauch ein – als Dank für den Sieg über die Türken in Ungarn – insofern eine Art postumen Kriegsgeläutes.

Das Läuten morgens 6:00 Uhr geht auf die alten Gebetszeiten zurück und ist nicht mehr als ein Überbleibsel, an dem die Kirchen aber vehement festhalten. Heute ist es außer in geschlossenen Klosteranlagen praktisch bedeutungslos, da kaum ein Mensch täglich um diese Zeit zum Gebet in eine Kirche geht…

Es ist Tatsache, dass der Klang von Kirchenglocken in seiner Gesamtheit seiner Anlässe die Gesellschaft kaum noch interessiert, höchstens dann und wann auf die Nerven geht. Denn es ist eine Wissenschaft für sich und wird in unseren Tagen von automatischen Läutwerken bewerkstelligt, gesteuert von Elektronik. Technik im Dienste des Herrn oder Kirche – wie auch immer.

Und folgendes, nur zu wahre, Zitat von Elmar Kupke:

In Würzburg läuten die Glocken deshalb so eindringlich, weil es die Erlösung ist, wenn sie wieder aufhören.

Ganzer Artikel auf: hpd-online.de – wenn glocken die stille zerreissen

Ja, dem gibts nicht mehr viel hinzuzufügen. Ausser vielleicht dass nur eine Tradition wirklich alt ist. Die älteste aller Traditionen: Die Tradition der Nachtruhe.

Seit Anbeginn aller Zeiten herrschte Ruhe in der Nacht – dann kommt der Mensch und zerstückelt die Nacht per Viertelstundenschlag in unzählige kleine Teilchen.

Wozu bloss?

 

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