Kuhglocken im Appenzellerland sind unnötig, lästig und Tierquälerei sagt IG Stiller.

Kuhglocken können Tier­quälerei sein – dies ist die Meinung der Interessen­gemeinschaft Stiller. Das Gebimmel sei einfach nur lästig und vor allem unnötig.

Kuhglocken verursachen Aerger im Glöggliland Appenzell und Ostschweiz.

Für viele gehört der Kuhglocken­klang auf den Appenzeller Weiden einfach dazu für die IG Stiller ist es überflüssig. «Stellen Sie sich vor, sie tragen während Tag und Nacht, Sommer und Winter eine solch schwere Glocke um den Hals. Im Extremfall sind die Tiere unter dem Band wund gescheuert», er­klärt der Trogener Samuel Büechi vom Vorstand. «Das ist einfach Tierquälerei!»

Trotzreaktion eines Bauern?

Die IG Stiller berät viele Anwoh­ner, die sich von Tierglocken ge­nervt fühlen. Ein Fall wurde aus Herisau bekannt. Die Anwoh­ner fühlten sich schon seit vielen Jahren belästigt, so Büechi. «Das Fass zum Überlaufen gebracht hat eine Aktion, bei welcher der Bauer seine beglockten Rinder während der Nacht stundenlang herumge­trieben hat.» Sinn und Zweck der Aktion seien nicht bekannt. Für Büechi könnte es aber eine Trotz­reaktion gewesen sein, da der be­troffene Bauer von der Gemeinde ein Glockenverbot erteilt bekam. «Ende Juli wurde uns dann mitge­teilt, dass die betroffenen Rinder keine Glocken mehr tragen», er­klärt Büechi weiter.

Jahrelanger Glockenstreit

Die IG Stiller wehrte sich in der Vergangenheit vehement gegen das Kirchenläuten. Der Glocken­streit in Trogen zog sich jahrelang dahin und machte immer wieder Schlagzeilen. Im Jahr 1999 und 2000 hatte die IG Stiller beantragt, das Geläut der Glocken der evan­gelisch reformierten Kirche ab­zustellen. Der Gemeinderat trat darauf jedoch nicht ein. In einer Umfrage zeigte sich, dass eine Mehrheit der Einwohner für den Beibehalt des Glockengeläuts ist. Das Ausserrhoder Verwaltungsge­richt schrieb in seiner Begründung im Jahr 2006, dass das Gesuch der IG Stiller nicht einfach abge­wiesen werden kann, ohne vorher eine Lärmmessung durchzufüh­ren. Der Gemeinderat folgte dem Entscheid. Es wurde festgestellt, dass die Grenzen der Schallpegel­werte bei den angrenzenden Häu­sern um 60 Dezibel überschritten wurden.

Für 23’000 Franken wur­den schliesslich bauliche Massnah­men vereinbart. Nach diesem Er­folg wird die IG Stiller nun auch bei Kuhglocken aktiv. «Wir sind uns bewusst, dass Kuhglocken nie ganz verschwinden werden», er­klärt Büechi. Die Ostschweiz sei nunmal ein «Glöggliland». «Wir wollen jedoch die Bevölkerung auf die Missstände hinweisen.»

Keine Kuh bleibt verschwunden

Die Einstellung vieler Bauern hätte sich bereits verbessert. «Viele pro­fessionelle Betriebe verzichten auf die unnötigen Kuhglocken», sagt Büechi. «Sie sind sich darüber im Klaren, dass Glocken mehr scha­den als nützen. Klar, sie können vielleicht helfen, wenn eine Kuh abhaut. Aber wenn das der Zweck der Kuhglocken wäre, so wären sie doch nichts anderes als ein ver­altetes Alarmsystem, bei welchem die ‘Sirene’ immer am ‘Heulen’ ist.

Unabhängig davon habe ich noch nie von einer Kuh gehört, die ver­schwunden ist und bleibt.» Deshalb will die IG Stiller auch in Zukunft beim Thema Kuhglocken aktiv bleiben. «Grosse Glocken sollten höchstens kurzfristig für spezielle Anlässe verwendet werden, und im Winter im Stall könnte den Tieren zuliebe doch auch ganz auf Glo­cken verzichtet werden.»

Aus: St. Galler Nachrichten vom 5. November 2009 von Manuela Störi.

 

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