…Wenn in der momentanen Minarett-Diskussion in der Schweiz von der Unterwanderung des christlichen Europas durch die muslimischen Horden gesprochen und betont wird, dass man die Kirchen und den Glauben stärken müsse, um unsere Freiheit zu verteidigen, scheint einiges drunter und drüber zu gehen, was die Zuschreibung unserer bürgerlichen Freiheiten angeht.

Auch der EDU-Nationalrat Christian Waber betont, dass er zwar ein fundamentaler Bibelgläubiger sei, der das Wort Gottes, wie er es in der Bibel finde über Alles stelle, aber andere Religionen – im Gegensatz zu den fundamentalistischen Muslimen – neben seiner eigenen dulde.

Entweder hat Herr Waber seine Bibel nicht genau gelesen, wird dort doch wiederholt befohlen, alle Un- und Andersgläubigen zu steinigen oder sonst ums Leben zu bringen, oder er kennt die Bibel sehr gut, weiss aber, dass es in der momentanen Diskussion nicht sehr clever wäre, den eigenen Glauben in einem Licht zu präsentieren, das fatal an jenes der fundamentalen Muslime erinnert…

Unsere Freiheiten entwickelten sich zwar aus dem im Christentum verankerten Individual-Gedanken und dem dort postulierten freien Willen heraus. Aber nur gegen den fanatischen Widerstand der Kirchen und Glaubensvertreter. Die Behauptung, dass das Christentum durch die islamischen Fundis gefährdet sei, ist falsch. Gefährdet sind der Humanismus, die Vernunft, die Forschung, das rationale Handeln und die aus diesen Gedanken hervor gegangenen Menschenrechte.

Zu behaupten, dass das Christentum diese Errungenschaften verteidigen könne, ist absurd. Genau diese Illusion möchten die christlichen Hardliner aber verbreiten – als einen ersten Schritt zur Re-Christianisierung Europas.

Dabei flackern in manchen Köpfen vermutlich schon wieder Bilder des grossen, alles entscheidenden Religionskrieges, der nun seinen ersten Ausdruck in einem Krieg der Symbole findet, auf: Minarette (die im Koran offenbar nirgends gefordert werden) zu verbieten ist ein geschickter Schachzug, wird dadurch doch klar das Revier abgesteckt – nur Christen dürfen ihre (ebensowenig biblisch geforderten Kirchtürme) erektilen Symbole hinstellen.

Dabei ist dies ja gar nicht der wahre Kampf. Es geht in Wirklichkeit um die Verteidigung der Aufklärung gegen den immer noch archaisch, mit umfassendem Machtanspruch auftretenden Islam. Wenn man nun den im tiefen Herzen ebenso archaischen Christen die Verteidigung jener Werte überlässt, die sie zum Teil selbst bekämpfen, kann das nur in die Hosen gehen.

Auschnitte aus Nachrichten.ch: Von Patrik Etschmayer (Montag, 28. Mai 2007)

 

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