Immer wieder wird behauptet dass das nächtliche Glocken-Gebimmel eine allgemein akzeptierte Tradition sei. Umfragen zeigen dass das völlig falsch ist!

Die Gerichte sind bisher ausgegangen, dass der nächtliche Zeitschlag eine allgemein akzeptierte Tradition sei. Umfragen bei  betroffenen Anwohner/innen zeigen, dass diese Annahme falsch ist. In den folgenden Umfragen, die zwischen 2005 und 2008 durchgeführt wurden, resultieren die Kirchenglocken als stärkste Nachtruhestörer. Hier die Resultate im Einzelnen der Anwohner/innen von verschiedenen Kirchen, die sich vom nächtlichen Zeitschlag belästigt fühlen:

Ort
% Jahr
Beinwil am See AG 39% 2005
Trogen AR 31,6% 2005
St.Gallen (Heiligenkreuz) 37% 2005
Wil SG 30,4% 2006
Zürich (Balgrist) 50% 2006
Gossau ZH 31,1% 2007
     
Durchschnitt 36,5 %  

In Gossau ZH fanden sogar 47,8% den Zeitschlag unnötig oder störend. ("Dass meine Gemeinde die ganze Nacht per Glocke die Zeit schlägt, finden unnötig/störend…")

Folgende Zusammenfassung einer zusätzlich durchgeführten Meta-Analye (Dr. Samuel Büechi, 2006) zum Thema Glockenlärm allgemein bestätigt, dass Glockenlärm, insbesondere der Zeitschlag in der Nacht, nicht mehr als allgemeine akzeptierte Tradition wahrgenommen wird:

Je nach Untersuchungsgebiet und je nach Art der Fragestellung der Umfrage werden mindestens 10% der schweizerischen Bevölkerung, d.h. über 700’000 Personen zu Hause von Kirchenglockenlärm gestört. Wenn die Umfrage nur im Umfeld von Kirchen durchgeführt wird, können bis 40% vom Lärm Belästigte resultieren.

Vergleichende Lärmumfragen der IG-Stiller zeigen, dass Kirchenglockenlärm eine der wichtigsten nächtlichen Lärmquellen der Schweiz ist. In ländlichen Gebieten ist auch das Herdengeläut eine wichtige Lärmquelle.

Speziell in der Nacht, wenn für andere Lärmverursacher Nachtruhe gilt, stört Glockenlärm stark. Zu diesem Thema wird an der ETH Zürich zurzeit eine Studie vorbereitet und im Frühjahr 2010 durchgeführt. Man vermutet, dass es mehr Glockengestörte als Fluglärmgestörte gibt.

Dass wir und andere betroffene Nachbarn weiterhin bei geschlossenem Fenstern schlafen müssen oder weiterhin Schlaftabletten schlucken müssen, haben alleine die Gerichte zu verantworten – bei 5’000 Kirchen in der Schweiz schätzen wir über 250’000 betroffene AnwohnerInnen von Kirchen mit nächtlichem Zeitschlag. Unnötig und zu vermeiden.

 

Sammelklage in St. Gallen: IG Stiller machen mobil

 IG Stiller bringt Sammelklage gegen Lärm von Kirchenglocken in St. Gallen.

Heiliger Bimbam: Die Glockengegner von IG Stiller machen Ernst. Mit einer Klage wollen sie die Glocken endgültig zum Schweigen bringen. Auch auf Facebook sind Private auf Stimmenfang für eine Anti-Glocken-Initiative.

«Genug vom ewigen Glocken­gebimmel? Die IG Stiller organisiert eine Sammelklage für die Einwohner der Stadt St. Gallen – jetzt anonym und gratis mitmachen.» Mit dieser Annonce auf Ronorp.net machen derzeit die Glockengegner von IG Stiller gegen das Kirchengeläut mobil. Bereits haben sich vier Betroffene (inzwischen sind es fünf) eingeschrieben. «Auf St. Gallen wird etwas zukommen», sagt IG Präsident Samuel Büechi dazu. Mehr Details will er zwar vorerst noch nicht preisgeben. Nur: Die Kosten einer Klage will die Interessengemeinschaft übernehmen.

Doch nicht nur in St. Gallen, sondern auch auf der Online-Community Facebook organisieren sich die Glockengegner: Für die Gruppe «Initiative: Schluss mit Kirchenglocken» werden 100  000 Mitglieder gesucht. «Wenn wir das schaffen, werden wir eine ordentliche Initiative lancieren», sagt Gruppenleiter Florian Bösch aus Basel.

Anlass für die Gruppengründung gab das Abstimmungs­resultat der Anti-Minarett-Initiative: «Religionsfreiheit wird offensichtlich jetzt mit Flexibilität behandelt. Die Minarette haben bis jetzt niemanden gestört, ­Kirchenglocken aber schon – seit Jahrhunderten, gnadenlos», so Bösch.

Hier Kommentare zum Bericht hinzufügen: 20min.ch – sammelklage ig stiller st gallen

 

Der Basler Arzt und Regierungspräsident Guy Morin hat in Giacobbo & Müller’s TV-Show folgendes gesagt:

Guy Morin bei Giacobbo und Mueller.

Victor Giacobbo: "Ich habe gehört dass Sie für den  Muezzin sind?"

Guy Morin: "Ich habe mal gesagt dass wenn man die Religionsfreiheit ernst nimmt,dann sollte man den Muezzinruf gleich behandeln wie die Kirchenglocken."

Giacobbo: "Also zum Lärm der Kirchenglocken noch der Muezzin der dreinruft?"

Morin: "Da gibt es eben für die Kirchenglocken und für den Muezzin eine Lärmschutzverordnung."

(Aus der 59. Sendung vom 13. Dezember 2009.)

 Fragt sich nur ob diese Lärmschutzverordnungen auch eingehalten werden…